Remake, Remaster, Reboot? Was macht eine gute Neuauflage eines Spiele-Klassikers wirklich aus?

ANZEIGE (08. Januar 2019)

Ob Shadow of the Colossus, Crash Bandicoot oder das vermutlich 2048 erscheinende Remake von Final Fantasy VII: Spieleklassiker neu aufzulegen, hat in der Gaming-Industrie gerade Hochkonjunktur. Resident Evil 2 ist das beste Beispiel dafür, dass selbst zeitlose Meisterwerke durchaus einen neuen Anstrich Farbe vertragen können.

Remakes von Spielen sind fast so alt wie das Games-Medium selbst. Einer der bekanntesten Arcade-Klassiker aus dem Jahr 1975, Gun Fight, war ein technisch überlegenes Midway-Remake von Taitos Western Gun und die hierzulande veröffentlichte Version von Super Mario Bros. 2 (1988) ein optisch modifizierter Re-Skin des japanischen Spiels Doki Doki Panic.

In der 16-Bit-Ära sowie während den Anfängen der Xbox Live und Playstation Network-Dienste bestanden Remakes im Wesentlichen aus grafisch aufgehübschten NES- und Arcadetiteln, ehe die späten 2000er Jahre zahlreiche HD-Remasters von verschwommenen Polygon-basierten Spielen der fünften Konsolengeneration zu Tage förderten. In den 2010er Jahren übernahmen Publisher dann einen weiteren Trend aus der Filmbranche und rebooteten einige ihrer erfolgreichsten Franchises.

Obwohl die Grenzen fließend sind, kristallisierte sich zwischen den verschiedenen Typen von Neuauflagen folgende Unterscheidung heraus: Remasters sind gameplay- und storytechnisch identische Ports, die einem grafischen Facelift unterzogen wurden. Reboots sind von Grund auf neu programmierte, in der Regel anspruchsvollere Neuinterpretationen von Game-Universen, die erzählerisch wieder auf Null gesetzt werden. Remakes hingegen lassen die Story und die Kontinuität eines Titels weitestgehend unangetastet, versuchen jedoch durch verbesserte Grafik, Cut-Scenes und Gameplay das Original in einem völlig neuen Licht erstrahlen zu lassen.

Claire muss im Remake von RE 2 ein weiteres Mal in die Tiefen von Raccoon City absteigen.

Zu letzterer Kategorie zählt die Neuauflage von Resident Evil 2, das vor etwas mehr als 20 Jahren das Survival-Genre mitbegründete. Es entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie, dass das Original von 1998 strenggenommen selbst bereits ein Remake war. Denn 1997, nachdem das Spiel bereits zu 60 bis 80 Prozent fertig gestellt war, wagte Capcom einen radikalen Schritt.

Resident Evil 1 hatte sich wider Erwarten zu einem weltweiten Hit gemausert und es war klar, dass die Serie nicht wie ursprünglich geplant nach zwei Teilen beendet sein könnte. Deshalb entschieden sich Produzent Shinji Mikami und Game Director Hideki Kamiya kurzerhand dazu, den Stecker zu ziehen und die Produktion von Resident Evil 2 von Neuem zu starten.

Der Großteil der Elemente, die das Spiel zu einem echten Klassiker gemacht haben, wurden erst in der zweiten Runde hinzugefügt: Der von Mikami eigens engagierte Drehbuchautor Noboro Sugimura etwa pochte darauf, dass sich die Protagonisten Leon Kennedy und Claire Redfield zunächst durch die zombieverseuchte Stadt bewegen sollten, ehe sie in das Innere des Polizeireviers flüchteten. Das sorgte nicht nur für eine der wohl besten Anfangssequenzen in der Videospiel-Geschichte, sondern vermittelte den Spielern auch eindrucksvoll das ganze Ausmaß der Zombie-Epidemie in Raccoon City.

Ebenfalls hinzugefügt wurde die Figur von Claire Redfield. Die Vorgängerversion, die heute unter dem Namen Resident Evil 1.5 in unvollständigen Teilen durch das Netz geistert, enthielt zwar auch einen weiblichen Charakter. Doch Elza Walker hätte sicherlich nicht den gleichen Grad an Beliebtheit erreicht, wie die erzählerisch deutlich mehr in das Resident Evil-Universum integrierte Claire.

Claires Look wirkt im Remake nun deutlich zeitgemäßer.

Zudem wurde der Hauptschauplatz des Spiels komplett überarbeitet. Das vom Design an den John Carpenter-Film „Assault – Anschlag bei Nacht“ angelehnte Polizeirevier erschien Mikami und seiner Crew zu generisch und sie verwandelten die Wache kurzerhand in ein ehemaliges Museum voller antiker Kunstwerke. Jedes der Stockwerke sah nun anders aus und die Exponate wurden Teil der zahlreichen kniffligen Rätsel.

Das zum Polizeirevier umfunktionierte Museum im Remake von Resident Evil 2.

Während Resident Evil 2 bis heute erzählerisch und vor allem atmosphärisch nichts von seinem Charme (oder besser gesagt Horror) eingebüßt hat, ist es angesichts der Quantensprünge, die das Medium in den letzten Dekaden gemacht hat, wie viele andere Titel aus der PS1-N64-Dreamcast-Ära optisch nicht gerade in Würde gealtert.

Frühe Polygon-basierte 3D-Grafik – das hat auch die verhaltene Reaktion auf die Playstation Classic gezeigt – übt einfach nicht die gleiche zeitlose Faszination auf Gamer aus, wie es etwa 16-Bit-Spiele tun. Selbst Spieler, die das Original von früher kennen, tun sich mittlerweile schwer mit statischen, vorgerenderten Hintergründen, fixierten Kamerawinkeln und der nicht mehr zeitgemäßen Steuerung.

Es überrascht deshalb nicht, dass Capcom sich entschieden hat, eines seiner berühmtesten Spiele für junge und alte Fans in einem völlig neuen Gewand zu präsentieren – ohne dabei den Kern anzutasten, der das Spiel zu einem Klassiker gemacht hat. Die also strenggenommen dritte, definitive Version von Resident Evil 2 wurde deshalb von einem Team produziert, das neue Entwickler mit einem Teil der Macher vereint, die bereits am Original gearbeitet hatten.

Capcom wandelt dabei auf einem schmalen Grat zwischen Tradition und Erneuerung: Die Outfits der Protagonisten, insbesondere der weiblichen, wurden zeitgemäßer designt, ohne ihnen die für die Serie so typischen Over-the-Top-Coolness zu nehmen. Raccoon City und seine Polizeiwache wirken realistischer dank High-End-Grafik, dennoch versprühen die zahlreichen Mutationen und Monster weiterhin ihren übertriebenen, fast schon cartoonhaften Flair.

Und die neue, bewegliche Kamera, die den Protagonisten über die Schulter folgt, ermöglicht zwar neue Blickwinkel, aber dennoch kann man sich nie sicher sein, was sich hinter der nächsten Tür verbirgt. So wurde die fixierte Perspektive, die im Original verhinderte, dass ihr wusstet, was den Korridor entlang auf euch zustürmt, durch dunkle Räume ersetzt. Wenn ihr eine düstere Ecke mit eurer Taschenlampe erkundet, erreicht das Remake dann auch dank des neuen 360-Grad Surround Sounds eine neue Grusel-Stufe.

Obwohl ihr dank der dynamischen Kamera in alle Ecken schauen könnt, fühlt ihr euch nicht sicherer – im Gegenteil.

Zudem konnten die Entwickler die diversen Sequels und Spin-Offs nicht ignorieren, die in der Zwischenzeit veröffentlicht wurden und natürlich die Erwartungen der Spieler beeinflussen. Spätestens mit Resident Evil 4 vollzog die Reihe einen Wechsel hin zu mehr Action-orientiertem Gameplay, ehe der Erfolg des jüngsten Resident Evil 7 das Franchise auf seine Survival-Wurzeln zurücksetzte. Das Remake von Resident Evil 2 vereint deshalb das Beste aus beiden Ansätzen und verbindet Backtracking in klaustrophobischer Atmosphäre mit spektakulären Action-Setpieces.

Resident Evil 2 hat alles, was ein gutes Spiele-Remake ausmacht: Gehörigen Respekt vor dem herausfordernden Core-Gameplay des Vorbilds, ohne jedoch dieses blind zu imitieren; einen neuen Look & Feel, der grafisch und soundtechnisch von allem Gebrauch macht, was derzeit technologisch möglich ist; und eine Verbeugung vor dem Original, das dennoch seine eigene Identität entwickelt. Egal, ob ihr zum ersten oder zweiten Mal Raccoon City betretet – Resident Evil 2 wird euch an jeder Ecke aufs Neue erschrecken.

Die Inhalte auf dieser Seite wurden von der Redaktion der Ströer Media BRAND VOICE in Zusammenarbeit mit Capcom Germany erstellt.